Ich liebe alle meine Bücher. Auch die Schlechten.

Ich oute mich jetzt hier. Als Bücherwurm. In der Tat habe ich früher bis zu 4(!) Bücher am Tag gelesen, im Deutsch-LK kamen noch einige dazu (die ich auch noch bekritzeln musste, aaah!) und im Studium noch ein paar obendrauf. Neben meinen Fachbüchern habe ich heute noch eine hoffnungslose Hingabe für gute Bücher. Wer will sich schon privat mit XML, Path, Standardisierung oder Syntax befassen? Sorry, darüber werde ich nie und nimmer schreiben, weil es einfach nicht ganz meine Passion ist.

Schade ist nur, dass ich nicht mehr die Zeit habe, wie ich sie früher hatte. Stundenlang bäuchlings auf dem Bett lesen, bis die Schultern schmerzen ist leider nicht mehr drin. Habe ich schon einmal erwähnt, das ich in der 7. Klasse fast die komplette Schulbibliothek gelesen hatte? Meine unbegrenzte Neugier, neue Bücher zu lesen ist immens gross. Ich kann eigentlich kaum eine Buchhandlung betreten ohne dass ich mit einem Buch wieder rauskomme. Leider komme ich mit dem Lesen nicht so schnell nach wie ich Bücher kaufe oder geschenkt bekomme. 24 Stunden sind echt viel zu wenig für einen Tag!

Was ich so lese…? Hmm…

Eigentlich lese ich wirklich Bücher querbeet und machmal lasse ich mich von Phasen leiten, in denen ich ein bestimmtes Interesse verfolge oder Sachverhalte verstehen möchte.

Das klappt aber nicht immer 😉 Nicht, dass ich mir das nicht anlesen könnte, aber viele Themen sind so komplex in ihrer Struktur, verwoben mit Tradition, die mit dem westlichen Leben nichts zu tun und mit unserem Verständnis von Freiheit oder Menschenwürde nichts gemeinsam haben. Und das macht mir sehr schwer, es zu verstehen. Vielleicht auch, weil ich es ungerecht finde. Zum Beispiel die Unterdrückung der Frauen in islamischen Ländern. Mit ca. 13 Jahren fiel mir das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ in die Hände. Literarisch nichts besonderes, aber ich war aufgewühlt und habe meiner Mutter viele Fragen gestellt. Danach kaufte ich immer mehr Bücher über dieses Thema und verschlang sie regelrecht. Nach etwa 2 Jahren hielt ich es nicht mehr aus. Dieses Thema machte mich schier krank, weil ich immer um Sorge um diese Frauen und in der Meinung war, etwas tun zu müssen. Aber man kann nichts tun. Also beschloss ich, diese Bücher einfach nicht mehr zu lesen.

Was aber nicht heisst, ich würde meine Augen davor schliessen. Nur ist die Hilflosigkeit da so gross, die Schicksale immer ähnlich und das Leid so riesig, dass es schmerzt, wenn man so sehr mitfühlt – es hat partout keinen Sinn und hilft den Frauen rein gar nicht, wenn man sich wegen ihnen auch noch schlecht fühlt. Im Sommer 2011 las ich im Zug kapitelweise „Tausend strahlende Sonnen“ von Khaled Hosseini. Es war furchtbar. Ich musste mich stark zurückhalten, nicht zu weinen, hatte ständig einen Kloß im Hals und auch das ein wenig glücklichere Ende tröstete mich nicht über das hinweg, was mich so aufwühlte. Also beschloss ich ein zweites Mal, dass ich solche Bücher nicht mehr lese. Schon gar nicht mehr im Zug. Ich lebe Bücher, weine und lache laut mit und das könnte im Zug inmitten von vielen Menschen, ähm ja, etwas peinlich werden…

Phasen solcher Art erlebte ich auch mit Themen wie z. B. „China und Japan während des 2. Weltkriegs“, was sich aber von beiden Seiten als äusserst brutal herausstellte („Die Vergewaltigung von Nanking“ von Iris Chang, oder „John Rabe“, der in China heute verehrt wird – ich habe eine sehr zwiespältige Meinung dazu), „China-Tibet Konflikt“, wo ich mich direkt auf die Seite der Tibetianer schlug und all die politischen Konflikte in Afrika, wo ich selbst einmal ein halbes Jahr lebte (Südafrika) und beim Lesen um Fassung rang. Hier mag ich vor allem die Bücher von Peter Scholl-Latour („Die afrikanische Totenklage“).

Diese Phasen hatte ich auch u.a. mit Themen wie ‚Speed Reading‘ (z. B. von Tony Buzan) als Bewusstseinserweiterung, mit diversen Philosophen (z. B. Camus), als ich mich vom christlichen Glauben gelöst habe und nach einem Ansatz für mich suchte, sowohl auch mit buddhistischer Literatur, als ich Zuflucht zum Buddhismus nahm. Ich liebe die Bücher von Lama Ole Nydahl (Karma Kagyu Linie), Osho ist für mich manchmal zu religiös. Die Bücher von Dalai Lama sind mir nicht ‚westlich‘ genug. Diese Phasen ebnen immer ein bisschen ab, wenn man das Gefühl hat, man ist ‚gesättigt‘.

Ich mag hier auch nicht jede einzelne Phase von mir aufführen, ich liebe Bücher seit ich lesen kann und meine erste Serie begann im Grundschulalter mit „Anne auf Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery. Oh, wie wundervoll waren diese Geschichten! Seufz…

Aber es gibt auch unzählige  Bücher, die völlig losgelöst von meinen Phasen sind und mich einfach so davon überzeugen, gelesen zu werden 🙂

Klar tauche ich auch mal gerne in Fantasy als Unterhaltungsliteratur wie z. B. „Harry Potter“ (R.K. Rowling) oder die „Magiergilde“ (T. Caravan) ein (finde auch „Jonathan Strange & Mr. Norell“ von S. Clarke vom Sprachstil her sehr gelungen, ist aber seeehr schleppend zu lesen). Aber diese sind meistens für sich als Reihe geschlossen und für mich wie eine Märchenstunde. Muss auch mal sein, oder? Ich schäme mich dafür nicht 😉

Was ich überhaupt nicht lesen kann, sind Biografien über Menschen, die sich selbst als wichtig bezeichnen. Ganz ehrlich? Bisher hat mich noch keiner so vom Hocker gehauen, dass ich gleich sein Leben studieren will. Oder Horrorbücher. Ich habe mal exakt 2 Bücher gelesen (‚Cupido‘ von J. Hoffmann und ‚Belladonna‘ von K. Slaughter), bei denen die Phantasie mit mir so durchgegangen ist, dass ich nachts ohne Licht nicht schlafen konnte 😉 Alleine die Penetration durch den aufgeschlitzten Bauch eines Opfers fand ich so widerwärtig, dass ich mich heute noch frage, wie sich jemand so etwas ausdenken kann! Das ist doch krank…?!

Auch kann mich die Vampirreihe („Vampire Diaries“) nicht locken, aber das liegt vielleicht am Thema, das ich zu kitschig finde. Ich habe mir mit 12 Jahren solche Vampirromane mit meiner besten Freundin geteilt, da ging es immer um „verliebt in einen Vampir“ und ich assoziiere das immer noch mit Teenager, Cherry Cola trinken und von der romantischen Liebe träumen… Ich möchte auch niemanden zu nahe treten, ich habe viele Freundinnen, die schauen sich diesen Edward 5 mal hintereinander im Kino an. Ich finde ihn persönlich noch zu kindlich um für ihn schwärmen zu können. Das ist definitiv Geschmacksache! 😉

Was ich aber sehr liebe, sind meine so genannten „Good mood“ Bücher. Sie sind teils Sach-, teils Unterhaltungsliteratur, sie stützen sich auf Parabeln, definieren eine klare Linie oder geben Denkanstösse. Ich finde es sehr wichtig, sich einmal selbst zu reflektieren. Man verändert sich mit der Zeit, macht sich vielleicht von äußeren Gegebenheiten abhängig, stumpft mit dem Alltag ein wenig ab und da tut es gut, wenn man sich selbst einmal objektiv betrachtet und einfach mal erfasst, ob man noch auf dem richtigen Weg oder noch der Mensch ist, den man sein will. Man merkt immer wieder, dass es eigentlich Punkte an einem gibt, die stören, aber man neigt dazu, sie zu ignorieren anstelle sie beim Schopf zu packen. Ausselektieren ist aber viel befreiender als zu ignorieren. 🙂

Sehr schön finde ich die Ratgeber von Barbara Sher. Es gibt sicherlich viele dieser Art, aber ich mag ihren Stil und die Thematik, mit der sie sich befasst. Ich mag auch die Bücher von Osho, der aber oftmals die Themen aus religiösem Aspekt anfasst und mir manchmal ein wenig zu esoterisch ist. Das ignoriere ich aber geflissentlich, denn er gibt auf seine kluge Art und Weise Denkanstösse. Nur aus diesem Grund würde ich ihn nicht von meinem Bücherregal verbannen. Oder sehr liebevoll sind auch die Bücher von Francois Lelord, wenn sie mir auch manchmal ein wenig zu kommerziell geworden sind. Wen ich mir demnächst unter die Lupe nehmen werde, ist Mitch Albom (z. B. „Dienstags bei Morrie“), der mir schon mehrfach wärmstens empfohlen wurde.

Und: ich liiiiiiiiebe die Bücher von Jorge Bucay! Diesen Autoren möchte ich aber gerne gesondert vorstellen, weil er wirklich mein Lieblingsautor ist und einen wunderbaren Schreibstil hat, der niemals belehrend wirkt. Mehr verrate ich aber hier nicht! 😉

Tjaha, und von den zigtausend Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, kann ich noch gar nicht erzählen. Im Urlaub habe ich bestimmt an die sechs Bücher mitgenommen und was war? Ich habe noch nicht einmal das Buch, was ich angefangen habe („Das Ja-Wort: eine Geschichte zum Heiraten“, den zweiten Teil von meinem geliebten „Eat Pray Love“ von E. Gilbert), zu Ende gelesen! Manchmal habe ich dann eben doch keine Muse dazu, wenn ich die Zeit habe!

Eigentlich wäre es mal wieder an der Zeit, nach meine Schwimmtraining heute nachmittag den Kamin anzuwerfen, einen leckeren Tee zu kochen (oder doch ein Weinchen aufzumachen…?), Füsse unter die Decke zu graben und einen Leseabend zu machen! Das klingt nach einem Plan, nicht…?

Einen wunderschönen Lesesonntag wünsche ich euch!

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