Shoppen, eten en kijken… 

Shoppen, essen und gucken…

In Maastricht shoppen zu gehen ist für mich ein kleines Highlight. Selbst wenn meine Woche wie diese schon sehr bunt ausgefüllt und geschäfltlich inklusive Meeting in Amsterdam gut ausgelastet war, so werde ich wohl nie, nie, nie zu müde sein, um nach Maastricht zum Shoppen zu fahren 🙂

Was macht Maastricht zum Shoppen interessant?

Alleine schon über die deutsch-niederländische Grenze zu fahren, die Stadt an sich mit den vielen kleinen Gässchen und den verwinkelten Läden, den individuellen und eigenwilligen Modestil der Niederländerinnen und natürlich die vielen Einkaufsmöglichkeiten üben eine große Faszination auf mich aus.

Ich bezeichne mich nicht als Modejunkie, mir steht und passt nicht alles und geschäftsbedingt halte ich mich gerne klassisch, aber ich weiß sehr wohl, was auf den Laufstegen in der Welt gerade angesagt ist und verfolge hin und wieder Modeblogs, bei denen ich vor mich hinträume… Früher hat eine Freundin mich als ‚trendy Jenny‘ bezeichnet, aber ich verfolge nicht gerne jeden Trend. Schöner finde ich es, wenn jemand „seinen Stil“ gefunden hat und sich darin wohl fühlt. Eine Bekannte hat zum Beispiel ein grandioses Händchen für eigenwillige Kombinationen, die ihren Typ einfach ausmachen. An mir würde das nur ziemlich albern aussehen und ich käme mir wie verkleidet vor. Tatsächlich mag ich es am liebsten schlicht und schnörkellos und beim aktuellen Trend heule ich lieber vor Verzweiflung auf anstatt mich da hinein zu stürzen: überall Rüschen, Schleifchen, Pailetten. Zum Glück ebnet dieses Jahr dieser Stil merklich ab. Wenn ich schon Kerle (!) in Vokuhila-Haarschnitt, tribalbemusterte Shirts und Jeans mit Pailettenapplikationen sehe, wird es mir schlecht. Auch kann ich nichts mit Ed Hardy anfangen, aber der hat wohl den Nerv der Zeit getroffen.

Zurück zu Maastricht. Natürlich sieht man da ein paar Wuchtbrummen, die in Leggins, Plastik-Crocs und in russischblond nicht wirklich ein Schmaus für’s Auge sind, aber da gibt es auch die Leute, die mixen, was das Zeug hält. Und das find ich toll! Ich begeistere mich sehr für Mode, bewerte gerne und finde Stile stark, die für mich auch nichts sind. Ich erkenne neidlos an, ich nicke und bekenne auch gerne: „…hat die ’ne geile Hose an!“

Ich mag den Bohemian-Stil und Dandy-Elemente. Ja, ich mag bunte Kleidung mit Lederjacken und Boots kombiniert, ich liebe es, da hinzuschauen und habe auch stark das Gefühl, dass Niederländerinnen einfach mutiger sind, Dinge zu kombinieren, die man selbst im Kleiderschrank gerne getrennt aufbewahrt! Ich liebe es einfach, durch die Gassen zu bummeln und zu gucken! Und ich guck da genau hin!

Gestern war mal wieder so ein Highlight-Samstag und mir ist vor allem ein etwa 12-jähriges Mädchen aufgefallen. Egal, ob ihre Mum sie so eingekleidet hat oder sie sich selbst, ich fand es fantastisch!

Sie trug eine Pumphose im Leoprint, dazu eine blau-weiße Baseballjacke mit rotem Schlauchwollschal, die Haare zum lockeren Dutt gebunden und knallpinke, knöchelhohe Turnschuhe. Das hatte was! Okay, ich gebe zu, das Pink hat sich arg mit dem Rot gebissen und ich musste auch 2x hingucken, damit es mir gefiel. Ich würde wohl eher knöchelhohe Dandyschuhe aus marinefarbenen oder roten Wildleder tragen, dazu knallroten Lippenstift, aber mir gefiel obendrein, dass das Mädel so jung schon mit der Mode kokettiert… Einfach klasse! Ich wünschte, ich hätte auch manchmal mehr Mut zum Tragen solcher Teile!

In vielen versteckten Läden findet man auch individuelle Kollektionen, eigenwillige Zusammenstellungen der Einkäuferinnen und wenn Sale in Maastricht ist, lohnt es sich wirklich, denn dann sind die Läden bereit, 40-70% Rabatt zu geben. Das ist enorm, wenn man beachtet, dass in Deutschland die Läden maximal knittrige 20% Rabatt auf die vergangene Kollektion gewähren. Das ist schon beinahe lächerlich! Manche große Marken wie Hilfiger gewähren in den Niederlanden rigoros 50% Rabatt. So und nicht anders macht Einkaufen verdammt Spaß! 🙂

Natürlich habe ich mir auch ein bisschen was gekauft: Schnürschuhe aus feinem Wildleder im Dandystil (aus einer neuen Manfield-Kollektion, siehe Bild), eine Clutch aus hellem Lederimitat mit gold abgesetzten Paspeln und einen Schal im 70er Jahre Stil (h&m, siehe Bild).

 

 

 

 

 

 

Ich habe dieses Mal nicht viel geshoppt, aber ich freue mich sehr über meine kleine, feine Beute. Hauptsächlich gehen wir ja auch nach Maastricht, um meinen Schatz kulinarisch glücklich zu machen. Denn was würden Niederländer ohne Bitterballen, Kroketten, Pommes Speciaal, Frikandel Speciaal oder Hering in brodjes machen?

Ich sage es gerne noch einmal: mijn schat is een Nederlander = mein Schatz ist Niederländer. Und Niederländer lieben komisches Essen 🙂 Ich glaube, ich habe wirklich immer guten Willen gezeigt und vieles probiert, was die niederländische Küche hergibt, aber Kroketten… äh… werd ich nie lieb haben. Sie sind nicht zu vergleichen mit unseren Kartoffelkroketten, sondern sind mit breiigen Fleisch gefüllt. Es ist als hätte man Suppe reingepresst. Dazu kommt, dass man bei den Dingern (frisch frittiert) sich immer (!) den Mund verbrennt, auch wenn sich die Krokette von außen schon kalt anfühlen! Ebenso verhält es sich mit den Bitterballen, die eine ähnliche Konstistenz aufweisen, nur runde kleine frittierte Bällchen sind und man die auch noch mit Senf isst!

Die Frikandel geht gar nicht. Das ist wie, als wenn man gefrorene Hackfleischrohlinge in der Mikrowelle auftaut. Sie sehen aus wie ‚totes Cevapcici‘ und schmecken meiner Meinung auch so. Kein Wunder, dass man sie mit Speciaal isst: Mayonnaise mit Curryketchup und Zwiebeln. Ganz viel obendrauf!

Aber für Pommes kann ich mich begeistern. Pommes mit Orloog. Das hört sich etwas strange an, ist aber suuuuperlecker: Mayonnaise und Satésauce mit Zwiebeln. Mmmmh! Oder erst frische Heringe in Brodjes! Auf dem Marktplatz steht zumindest Samstags immer der Vishandel de Dolfijn und verkauft frischen Fisch. Der Hering wird vor deinen Augen frisch ausgenommen und landet zartrosa in ein fluffiges Brötchen mit klein geschnittenen Zwiebeln. Fangfrischer Fisch ist schon echt was Feines! Mmmmh, könnt grad noch eins essen! 🙂

Ich muss an dieser Stelle auch erwähnen, dass es genau gegenüber vom Fischhändler ganz neu ein FEBO gibt. Diese Imbißkette hat sich auf alle niederländische Frittierbarkeiten spezialisiert und schimpft sich selbst „de lekkerste“. Und es scheint wirklich so zu sein: im FEBO ist immer etwas los, egal wo man in den Niederlanden einen FEBO betritt. Und das Leuchten der Augen deines Schatz’s – unbezahlbar! In einem FEBO kann man sogar warme Kroketten, Hamburger & Co. aus dem Automaten ziehen. Ich finde das immer noch sehr suspekt und bestelle lieber an der Theke, die sich direkt neben den Automaten befindet. Also, wie man sehen kann, wir gehen auch zum Essen gerne nach Maastricht.

Aber auch so ist Maastricht sehenswert. Allen voran gefallen mir die kleinen Häuser in den kleinen Gassen und die wunderschöne, große Buchhandlung, die sich seit 2006 in einer alten Kirche befindet. Da einmal  reinzuschnuppern, ist ein Muss. Es gibt dort drinnen sogar ein kleines Café im ehemaligen Altarbereich. Dieses Mal haben wir auch zwei niederländische Kinderbücher gekauft, da ich ja nebenbei immer ein bißchen Niederländisch lerne: endlich das „Rupsje Nooitgenoeg“ („Die kleine Raupe Nimmersatt“) und „Over een kleine mol die wil weten wie er op zijn kop gepoept heeft“ („Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“). Vom zweiten Buch finde ich allein den Titel schon sooo geil, dass ich mich das erste Mal halb tot gelacht habe. Auch die Illustrationen von Wolf Erlbruch sind absolut süß umgesetzt. Eigentlich ist es ein deutsches Buch und viele meiner Freunde kannten das Buch schon und behaupten, die Kinder lieben es! Und ich liebe es auch, aber eben auf Niederländisch!

 

 

 

 

 

 

 

Nach unserem Stadbummel -die Läden schließen schon um 18:00 Uhr- gehen wir immer noch in einen Albert Heijn Supermarkt. Dort wird in der Regel noch Kroketten für die Tiefkühltruhe, Satésauce, Calvé Erdnussbutter (wenn ich auch normal keine mag, aber diese finde ich besonders lecker!), fluffige Brötchen, Filet American, asiatische Gewürze, die man in Deutschland nicht so leicht bekommt und natürlich Lakritze gekauft. Mein Schatz ist ein absoluter Salmoniakjunkie. Bei uns in Deutschland kommen wir über die Zuckerlakritze von Haribo, Katjes & Co. qualitativ nicht heraus. Aber in den Niederlanden gibt es eine Lakritzauswahl, die so groß ist wie bei uns die Gummibärchenauswahl. Von weich & süß zu hart & salzig gibt es alles… Ich habe mal gelesen, dass die Niederländer im Jahr bis zu 32 Millionen Kilogramm Lakritze im Jahr vertilgen. Aber wenn unsere deutsche auch mal so lecker wäre… Ich jedenfalls esse auf einmal gerne Lakritze. Am liebsten von Venco die Mischung ‚zacht & zoet‘. Eine Tüte musste ich leider schon an meine Eltern abdrücken. Och männo… Aber wer weiß, wann wir wieder das nächste Mal nach Maastricht fahren… 🙂

 

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