Solche Männer braucht das (chinesische) Land: Liao Yiwu & Liu Xiaobo

Irgendwie ziehen mich solche Brennpunkte magisch an. Denn die Tage stieß ich auf einen Artikel über den chinesischen Dichter und Romanautor Liao Yiwu und bin beeindruckt von seiner Geschichte. Beeindruckt von soviel Mut und schäme mich ein bisschen, dass ich in einem geregeltem System lebe, wo zwar auch nicht alles koscher abläuft und viele Fehlentscheidungen auf politischer Ebene gefällt werden, aber auch, wo das System mich nicht beobachtet, wenn ich frei denke oder mich ins Gefängnis steckt, wenn ich ein politisches Gedicht verfasse.

Als Kind der 60er Jahre publizierte Liao Yiwu nach dem Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 das epische Gedicht „Massaker“. Dafür kam er vier Jahre in Haft. Die chinesische Ausgabe von „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ wurde sofort nach Erscheinen verboten. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis ‚Freiheit zum Schreiben‘ ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde. Noch dieses Jahr erscheint ein Buch über seine Erfahrung im Gefängnis: „Ein Lied und hundert Lieder: ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“.

Und als ich mehr über ihn erfahren möchte, stoße ich in meinen Recherchen auf Liu Xiaobo, chinesischer Intellektueller und Schriftsteller, unermüdlicher Kämpfer gegen die Unterdrückung des Volkes und Friedensnobelpreisträger 2010. Bei Ling, ein Freund, erzählt in „Der Freiheit geopfert: Die Biografie des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo“ eindrucksvoll über den Inhaftierten. Die Textausschnitte aus dem ‚Blick ins Buch‘ bei Amazon.de habe ich geradezu verschlungen. Es scheint ein super interessantes Buch zu sein, das das China der Untergebenen und ihren Mut zum Widerstand präsentiert.

Ich muss mich korrigieren, wenn ich sage: „Ich hasse China!“ Ja, ich habe China immer gehasst, weil ich eine große Tibet-Verehrerin bin. Ich hasse die Unterdrückung der Tibeter, ihren Umgang mit Tieren und ich hasse es, Geschichten zu hören, wie Tibeter von Chinesen bespuckt werden, nur als kulturellen Unterschieden heraus. Aber jetzt muss ich damit ‚aufräumen‘, es ist nicht „das China“.  Es ist nicht das Volk, das einem so aufstößt, sondern die Politik und ich wünsche mir, noch mehr über dieses System zu erfahren und zu lesen. „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ und „Der Freiheit geopfert: Die Biografie des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo“ wandern heute also auf meine Bücherwunschliste!

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