Von Bettruhe, Hühnersuppen und der kleine Drache Kokosnuss in Taucherflossen. Oder warum das Leben ohne Marmelade echt hart ist.

Ein Wettrennen mit der Zeit beginnt. Schaffe ich es noch, die Kurve zu kriegen…?

Die Rede ist von einer Genesung bis Montag. Top, die Wette gilt. Letzten Donnerstag hat’s schon angefangen: Halskratzen und Husten. Nach dem Büro 4 Stunden brav beim Arzt gewartet um dann mit dem falschen Antibiotika abgespeist zu werden. Im nächsten Leben habe ich keine Penicillin Allergie, okay? Denn sich von der eigenen Mutter in ihrem Auto am folgenden Tag zur Notfallpraxis gekarrt zu werden, ist alles andere als lustig. „Bind dir den Schal bis zur Stirn und halt den Mund!“ lassen anmuten, man habe die Cholera und kein grippalen Infekt.

Aber was tut man nicht alles, um schnell wieder fit zu werden? Montag geht’s ab ins Trainingscamp und ich häng in den Seilen. Zum Heulen! Das tat ich dann auch, aus Frust. Den ganzen Winter klopf ich schon auf’s Holz und dann kurz vor’m Trainingscamp mache ich schlapp.

3 Tage Antibiotika und absolute Bettruhe stehen auf meinem Wochenplan. Nichts mit ein bisschen arbeiten oder wenigstens moderat zu laufen. Nichts da. Schlafen, allenfalls lesen, vielleicht auch ein bisschen bloggen. Hmpf.

Dabei lag ich so gut im Plan. Die letzte Trainingseinheit von 1,2 km Schwimmen hat mich mit Stolz erfüllt, da ich sehr nah an die Zielzeit von 25 Minuten gekommen bin. Es fühlte sich soooo gut an, auch wenn ich währenddessen geflucht habe (wir sind alle nur menschlich, ne…?).

Aber okay, ich muss das jetzt positiv zu sehen, ich kann mich entspannen. Ich verbringe meine freien Tage oft vollgepumpt mit Terminen und Aktionen, garniert mit ein bisschen Shoppen und Sport, weil ich nicht still sitzen kann. Ich liiiieeebe Action! Und dann tritt der Körper mal auf die Bremse, klar? Najaaaa, in den letzten Zügen mussten Online Shops herhalten. Ich kriege sonst nicht alles erledigt. Auch wenn Amazon gerade schwer in Kritik geraten ist, ein neuer Fön musste trotzdem noch schnell her (wie soll ich sonst meine Haare…?) und eine Radbrille, da mir gestern (!) einfiel, dass ich gar keine habe. Also im Schnellverfahren alle Testberichte der Roadbike, etc. gecheckt und 1,2,3, … Meins!

Und dann hatte mein Neffe auch noch Geburtstag und ich habe ihm, ganz wie Tantchen selbst eine hat, eine Schwimmbrille gekauft. Die beste aller Kindermodelle. Also wer neulich eine erwachsene Frau im Sportscheck Stuttgart gesehen hat, die nahezu alle Kinderschwimmbrillen in der Schwimmabteilung aufgesetzt hat, um zu testen ob die haften, bis ein schmatzendes Geräusch entstand, ja, das war ich! Und dann? Nach einem Telefonat mit der lieben Schwägerin: Nein, er wünscht sich eine Taucherbrille, keine Schwimmbrille. So wie Taucher eine haben. Wtf?!? Also schnell Amazon her. Hmpf.

Und dann haben wir uns verliebt: Kindertaucherbrillen und Flossen von Mares. Alles in Miniatur. Nur das beste vom besten. Da kriegt selbst Onkelchen Pipi in den Augen. Dazu ein passendes Buch: „Der kleine Drache Kokosnuss (in Taucherflossen!!!) auf der Suche nach Atlantis“. Zum Schiessen. Außerdem ist es Bildung für’s Neffchen, klar? Schliesslich möcht ich als Tante nicht in die Kritik geraten, dass ich nicht in Bildung investiere! Pah!

Merke, wenn du als Tante krank im Bett liegst, mit krächzender Stimme deinem Neffen ein Geburtstagsständchen trällerst, gratulierst, machst und tust und fröhlich fragst: „Weisst du denn, wer dran ist?“ – als Antwort dann „Peter…?“ bekommst, ES liegt ganz bestimmt am Hustensaft!!!

B e t t r u h e.

Und zwischen 3 Liter Wasser und Tee am Tag presse ich mir meinen Orangensaft, esse meine obligatorischen Bananen und Heidelbeeren im Müsli, knackige Salate und viel Gemüse und dann fällt mir die gute Hühnersuppe wieder ein! Warum bin ich eigentlich nicht gleich drauf gekommen?!?

Ich liebte sie schon als Kind. Wenn mein Bruder und ich im Winter mit rot gefroren Nasen vom Schneemann bauen aus dem Garten oder vom Rodeln kamen, da gab es hin und wieder diese leckere heisse Hühnersuppe. Sie weckt also auch warme Kindheitserinnerungen. Als Studentin hab ich mir mal mit einem tiefgefroreren Suppenhuhn mein Eisfach geschrottet (man nehme ein zu dickes Huhn und versuche es, mit der Eisfachtür ins zuuuu schmale Eisfach reinzupressen… Jaaaa, sagt nichts! ), und es bleibt mir heute noch auf dem Winterspeiseplan. Nur denke ich nicht immer daran…

Vor allem gilt die Hühnersuppe als sehr gesund, wenn man sich angeschlagen fühlt. Ich fühle mich aktuell weitaus mehr als nur angeschlagen, aber who cares. Darüber hinaus stärkt die Hühnersuppe das Immunsystem und wirkt entzündungshemmend, das ist mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen. Zudem ist sie ein Stärkungsmittel, das uns nach einer Grippe wieder auf die Beine hilft und sich auch sehr gut vorbeugend einsetzen lässt.

Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: die Hühnerbrühe setzt die Aktivität der weißen Blutkörperchen herab. Der Eiweißstoff Cystein hemmt Entzündungen und lässt die Schleimhäute abschwellen. Das erklärt, warum die Hühnersuppe ideal gegen Husten und Schnupfen wirkt. Ausserdem enthält sie viel Zink. Ideales Power food also!

Wichtig ist, dass das Suppenhuhn beim Kochen schön viel Fett frei gibt. Dabei ist es egal, ob es sich um ein frisches oder tief gefrorenes Suppenhuhn handelt. Man ritzt das Suppenhuhn an mehreren Stellen an und setzt es mit kaltem Wasser bedeckt auf, damit der Eiweißstoff nicht schon beim Austreten gerinnt.

Nach 1-1,5 Stunden kann man das Huhn aus der Brühe nehmen und zerlegen. Das zarte Fleisch kommt in kleinen Teilen wieder in den Topf. Dann fügt man zur fettigen Brühe frisches, klein geschnittenes Suppengrün hinzu und würzt sie entsprechend. Ich kenne & liebe die Variante mit Reis (z.B. von Oryza), klein geschnittenen Spargel und Petersilie hinzu.

Übrigens: Im Winter spare ich mir das ganze Prozedere und stell mich an einem schönen Tag im November hin und schnipple mal ’ne komplette Stunde Lauch, Karotten, Sellerie und Petersilie klein, fülle alles in separate Zipperbeutel und friere es ein. Da wir zwei echte Suppenkaspars sind, gibt es nichts einfacheres, als abends geschnittenes Suppengrün griffbereit zu haben. Der Vorrat hält bei uns fast einen ganzen Winter lang. Und man braucht ja immer Suppengrün. Mich hat es einfach zu oft geärgert, dass man entweder abends keines mehr bekommt oder nur trauriges Gemüse für 1,49€ angeboten wird.

Ich kann’s nur empfehlen!

Wieso fallen mir just in dieser Minute des Schreibens zwei französische Chansons ein…? „Le coq est mort, le coq est mort…“ („Der Hahn ist tot, der Hahn ist tot…“) im Zusammenhang mit der fabelhaften Edith Piaf: „No, je ne regrette rien…“ („Ich bereue nichts…“). Tjahaaa, „La vie est dure sans confiture“ = Das Leben ist hart ohne Marmelade. Oooh ja…

Also, Bettruhe genießen. Wettrennen mit der Zeit. Immerhin ein sportliches Ziel gesetzt.

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