Herbstliche Zaubermomente…

Eigentlich bin ich heute krank und trotzdem gut drauf. Denn endlich habe ich die Zeit, zu beobachten, was sich draußen so abspielt. Alles, was sich draußen bewegt, passiert, sich verändert. Einfach wunderschön…

„Autumn is a second spring where every leaf is a flower.“
(Albert Camus)

Viel zu selten fokussieren wir uns auf den natürlichen Wandel unserer Zeit. Ich muss zu meiner Schande gestehen: ich eile auch jeden Tag zum Zug, zur Bahn, zum Büro und alles wieder zurück. Selten werfe ich in der Hast einen ruhenden Blick auf die Dinge. Im IC kann man heimlich komische Menschen beobachten (darüber müßte ich echt mal seperat schreiben), die zerschlissenenen Polster wahrnehmen oder die Staubkörner zählen (Sisyphosaufgabe, versteht sich – die DB ist dreckig, nur mal zu Info). Das, was vor dem IC-Fenster passiert, verläuft im Rausch der Geschwindigkeit in mehreren Farben über und zeigt mir eine verpixelte Landschaft… Aber ich möchte nicht vom Thema abkommen.

Und auf einmal hat man Zeit, sei es am Wochenende oder eben, wenn es einem mal erkältungsmäßig erwischt hat, gut eingemümmelt auf der Couch liegt und seinen Blick schleifen läßt. Zeit…? Zeit…!!! Da fällt mir ein Gedicht ein: kennt ihr „Ich wünsche dir Zeit“ von Elli Michler? Ich finde es soooo schön und so true:

Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben !

(Elli Michler, Quelle: http://www.elli-michler.childrentooth.de)

Ist das schööööön… Purer Sonnenschein strahlt die verfärbten Blätter an. Rot, gelb, manchmal noch grün. Kastanien zur Hälfte noch in ihrem grünen Stachelmäntelchen, Eicheln mit Hütchen, volle Beerensträuche. Dazu läßt ein leichter Wind das Laub rascheln, das sich auf dem Weg sammelt. Ich bin wie verzaubert – es ist doch zum verlieben schön!

Es erinnert mich an meine Kindheit, als ich mit Gummisstiefel durch die Laubberge gesprungen bin, weil das noch mehr geraschelt hat, weil es das bunte Laub aufgewirbelt hat und weil es furchtbar Spaß gemacht hat! Und soll ich mal etwas verraten? Ich mache es heute noch gerne (*frech grinse*)…! Wenn niemand guckt oder zumindest das verzeihende Auge meines Schatzes, springe ich immer noch durch die angesammelte Laubblätter. Das raschelt immer noch so schön und ich fühle mich übermütig wie ein Kind! Ich sammle immer noch Kastanien und lege sie als Deko in meine Wohnung auf dem Platzteller oder erfreue mich an den roten Beeren mit Morgentau…! Man vergißt es wohl immer wieder, aber auch der Herbst hat seine Daseinsberechtigung! Und das mit Recht! Und auch vergißt man, wieviel Freude der Herbst einem als Kind gebracht hat. Wenn man sich wieder hinein versetzen kann – in das Herz eines Kindes-, dann macht auch der Herbstzauber vor einem nicht Halt…

Vor ein paar Tagen noch bin ich geeilt, gehastet, habe nicht nach rechts oder links geguckt und fand es weder kalt noch warm, fluchte darüber, dass es kalt sein könnte und darüber, dass ich keine passende Jacke (zu kalt, zu warm) für diese Jahreszeit hatte. Morgens ist es düster und abends ist es düster. Da tröstete auch eine Zeitverschiebung nicht drüber hinweg. Wenn man dann einmal anfängt zu jammern, kommt man aus dem Jammertal nicht mehr heraus. Im Gegenteil, man findet immer neue Gründe zu jammern.

Ich könnte jetzt auch jammern, meine Nase läuft, mein Kopf platzt, aber warum sich darauf einlassen? Ich möchte wieder gesund werden, ich schlafe, ich trinke Tee und genieße meinen Blick auf die Terrasse voller Wunder… Auf einmal sprudelt heute mein Kopf voller Ideen: ich möchte einen Laubbkranz machen oder doch einen Weidenkranz (?), ein Herz aus aufgespickten Beeren oder Kastanienketten als Deko basteln, möchte mit meiner Kamera durch den Wald am See spazieren gehen und wunderschöne Augenblicke festhalten… Wow, ich bin echt verzaubert. Da war doch eine kleine Herbstfee, die mir Zauberstaub ins Gesicht gepustet hat…? 😉

Wenn man sich erst einmal auf dem Herbstzauber eingelassen hat, man das Kind in einem spürt (ich schäme mich nicht, nur zur Info), dann sprudelt es in einem vor Liebe über… Ich finde, das fühlt sich viel schöner an als zu jammern! Kann ich nur empfehlen! Ausserdem steckt man seine Mitmenschen mit guter Laune an! Mein Schatz kommt gerade total müde und abgekämpft von der Arbeit und ich springe nicht hundeelendig krank und jammerig, sondern quickfidel und verliebt von der Couch und begrüße ihn mit einem Lachen! Macht das mal! Spread love, love, love und zauberhafte Momente!

         

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