Denn ich bin Superwoman!

Besinnlichkeit ist eine stimmungsvolle Zeit, in der Menschen zum Nachdenken und Innehalten kommen.

(Quelle: http://wissen.woxikon.de)

Ich habe für mich die Welt angehalten. BAM. Einfach so. Einen Gang rausgenommen habe ich schon letzte Woche. Aus guten Gründen.

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Die letzten Wochen sah ich in keinster Weise besinnliche Zeiten. Menschen eilen, schimpfen über kalte Nasen und nasse Schuhe und gucken grimmig herein. Es wird immer schwerer, sich ein Lächeln zu bewahren und selbst freundlich zu bleiben. Menschen nerven mich schon mit purer Anwesenheit als könnte ich riechen, dass sie negative Energie in sich tragen und gleich lospoltern. Mir fehlte sogar die Weihnachtsmusik im Radio.

Die Unschuld, die der Schnee mit sich bringt, wenn man mit naiven Kinderaugen dem Schneefall zuguckt. Wie oft sehne ich mich nach den Momenten zurück, an denen mein Bruder und ich mit den Nasen an den Fensterscheiben klebten und die Schneeflocken zählten und jeweils grössere erspähten: „Guck mal die, die ist voll groß!“, bevor sie am Glas schmolzen. Wir spürten die Kälte nicht, wenn wir wie Marshmellows bepackt unsere Zungen ausstreckten und Schneeflocken aßen. Wir bauten Schneemänner im Garten, rodelten den ganzen Tag einen Berg runter, während unsere Nasen immer röter wurden. Wir waren Kinder und merkten nichts von all dem Stress, den sich Erwachsene um diese Zeit machten. Tatsächlich denke ich, es hat sich in all den Jahren nichts geändert. Nur für uns. Wir sind erwachsen geworden und mittendrin. Besinnlichkeit ade. Oder kann man sich diese zurück holen, wenn man es sich wirklich wünscht?

In amerikanischen Filmen sieht es alles immer so easy peasy aus. Die Ami Supermum backt DIE perfekten Kekse, kocht Gans mit Rotkohl für 20 Leute, sieht dabei gestylt wie eine Hollywood Diva aus und hat auch noch für jeden das passende Geschenk parat. Na logo, das ist ihr Job! Wäre ich fulltime Mama….

Bin ich aber nicht. Weder Mama noch fulltime Hausfrau, geschweige denn, ich koche Gans für 20 Personen. Ich bin nur eine von vielen, die genau so lange und viel arbeitet wie Männer, die Karriere machen wollen. Die Termine bis abends wahrnehmen und oft erst um 21 Uhr heim kommen und dann noch kochen müssen.

Die perfekten Geschenke kaufen? Öhm… Wann?
Kekse backen? Auf einen Sonntag, bitte!
Nach einer Sorte Hildabrötchen hatte ich keine Lust mehr, obwohl ich das Backen liebe. Die Einkäufe für Walnußbusserl, Nusskipferl und American Cookies ignoriere ich seitdem. Die Backschublade bleibt zu. Ich bin keine Superwoman und will es auch nicht sein. Ich will erst einmal ausschlafen.

Wie, wir haben keinen Tannenbaum…? Schuldig! Einfach im Trubel vergessen. Dafür habe ich wenigstens standardgemäß einen Adventskranz und einen Kranz für die Tür gebunden. Soll einer mal da was sagen! Und wo ist jetzt die verdammte Besinnlichkeit?

Seit gestern habe ich Urlaub und statt die Dinge nachzuholen, die noch fehlen, schlafe ich. Ich sehnte mich nach Ruhe, jetzt habe ich sie. Ausschlafen, frühstücken, schlafen. Und die Wohnung versinkt im Chaos. Herrlich. Wo sind die Wichtel, die einem alles wegräumen…? Na prima, ich bin mir sicher, Superwoman hatte solche!

So langsam erwacht das Leben in mir. Gefällt mir alles nicht, stelle ich fest. Die Vorweihnachtszeit zu verschlafen, ist auch nicht gerade mein Anspruch. Also wird die Bude auf Vordermann gebracht. Wenigstens eine weitere Sorte Kekse…? Ach, ist ja eigentlich schnell gemacht, wenn man das Backen liebt. Weihnachtssongs eingelegt, mit dem Wischmob tanzen. Dann kommt die Hollywood Diva von alleine! Pah! Das kann ich auch! Es wird Zeit, dass ich es mir selbst besinnlich gestalte! Mit Muse, Spass und Vorfreude!

Kennt ihr das Gedicht „Ich wünsche dir Zeit“ von Elli Michler? Es ist mir mal vor 18 Jahren in die Hände gefallen, seitdem liebe ich es!

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben !

(Aus: Elli Michler, Dir zugedacht, © Don Bosco Verlag, München, 2004)

Fröhliche Weihnachten allerseits!

Ich geh derweil mit dem Wischmob tanzen…

 

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