Und was ist so ganz DEINS…?

„Deine erste Pflicht ist, dich selbst glücklich zu machen.“
(Ludwig Feuerbach)

Ich kann es gar nicht in Wort fassen, welche Energie gerade in mir steckt und platze fast vor Glück! Ich bin fast erstaunt, wie vital ich mich fühle und das nach nur einer Woche Trainingscamp auf Zypern! Es war – nein, ich berichtige: es IST genau MEIN Ding!

Ich bin ohne meinen Lieblingsmenschen alleine hingeflogen und habe schon am Flughafen einige fröhliche Radfahrer entdeckt, die sich untereinander schon zu kennen schienen. Mir war es zu müßig, mich mit Sportklamotten auf dem Flugareal zu bewegen und habe mich in zivil getarnt 😉 So konnte ich das bunte Treiben in Ruhe beobachten ohne groß dabei aufzufallen. Einziges Manko: es gibt morgens um 4 Uhr noch keinen Kaffee am Flughafen!

Im Flieger saß eine hübsche, aber grundgenervte Frau neben mir, die mir schier die Handtasche in die Seite rammte. Später stellte sie sich aber als eine unglaublich warmherzige Frau heraus, der ich die Unannehmlichkeit auf dem Hinflug im Nachhinein verzeihen konnte.

Im Bustransfer zum Club Aldiana auf Zypern lernte ich schon die erste Gleichaltrige kennen und stellte fest, dass wir in derselben Kleinstadt zur Schule gingen. Natürlich checkten wir erst einmal vor unseren geistigen Augen gemeinsame Bekannte. Small world und auf alle Fälle ein witziger Start in eine gute Woche!

Meine liebe Freundin Bee kam erst viel später aus London angereist, also lernte ich erst einmal alle möglichen Leute kennen, die schon vor Ort waren. Wie einfach das dort ging. Ich bin ja grundsätzlich nicht auf dem Mund gefallen, aber dort war es das normalste auf der Welt: „Wie heisst du?“, „Bist du das erste Mal hier?“, „Machst du die Triathlon- oder nur die Radwoche?“ bilden sofort einen netten Einstieg in die Szene. I like! 🙂

Dann bekam ich auch noch ein wirklich schönes Zimmer mit einer richtig tollen Aussicht über die gepflegte Poollandschaft und seitlich zum Meer. Ich war sofort verliebt! Am ersten Tag kümmert man sich natürlich erst einmal nach dem Einchecken um sein Rennrad. An der Radstation nahm ein smarter Schweizer (Achtung, Alliteration!) meine Pedalen in Empfang und stellte das Rad auf mich ein. Unterlagenaustausch und mit Camparmband ausgestattet und das war’s für’s erste. Den Rest des Tages nutzte ich, um den Strand zu erkundigen, alles mal in Ruhe auszuspähen und mir eine neue Zahnbürste zu kaufen, weil… Ja, ratet mal! Genau! „Oh, oh!“ war auch meine erster Gedanke. Statt Elektrozahnbürste nun ein zypriotisches Plastikmodell in Rosa. Schon am 2. Tag hatte ich eine Nylonborste zwischen den Zähnen klemmen *grml* Aber auch das hab ich überlebt und die Wiedersehensfreude mit meiner Elektrozahnbürste war immens gross, glaubt mir!

Am nächsten Tag starteten wir bei lauen 21 Grad zur ersten Radausfahrt. Während die Radfahrer sich in Gruppen nach ihren Stärken aufteilten, bildeten die Triathleten eine ziemlich inhomogene Gruppe. Mann oh mann, es waren nicht nur die vorausgehenden 10 Tage Krankheit, die mich konditionell echt pusten ließen, ich kam auch erst einmal schlecht mit der klemmenden Gangschaltung auf dem Leihrad zurecht. Zusätzlich stresste mich das erste Mal in Gruppe fahren: Um im Windschatten zu bleiben, musste man auf ein paar Zentimeter dem Vordermann dicht auffahren. Wenn man es nicht tat, fegte einem der Wind fast vom Rad. Ich wurde da quasi so richtig ins kalte Wasser geschmissen und kam mir etwas unbeholfen vor…

Und dann liess sich ein Engel in Gestalt von Tom zu mir zurückfallen, gab mir Anweisungen und wir setzten wir uns von der Gruppe ab. Als ich am Berg halber zu Kotzen anfing und über Aufgeben nachdachte, kam von links: „Aufrechte Position, gleichmässig und dein Tempo, du schaffst das!“ Ja, ich schaffte das und daraufhin erst einmal völlig entnervt ein Stück klebriger Energieriegel! 2 Stunden fuhren wir durch das windige, aber schöne Hinterland Zyperns und immer wieder kamen Anweisungen von links. Es machte auf einmal richtig Spass! Ich wollte Unsicherheiten auf dem Rad abbauen…? Ja hallo, ich war mittendrin und konnte sogar den Rausch der Geschwindigkeit bergab durch das wunderschöne und herrlich duftende Orangental genießen! Überall an den Bäumen hingen schon ausgereifte Orangen!

Whoooohoooo…! Ich hab zum ersten Mal das Rad verstanden und in diesen 2 Stunden mehr gelernt als in den letzten 2 Jahren! Nebenbei erzählte Tom mir, dass er ehemaliger Profi Triathlet sei. Huch…?! Fast machte ich einen Schlenker zuviel. Okaaaaay….?! Dann plauderte er aus dem Nähkästchen, er sei mit Daniel Unger gut befreundet, kennt Chrissie Wellington… Whaaaaat…? DIE Chrissie, DIE ich so faszinierend finde…? Erzähl mir mehr!!! Es war auch noch suuuuperinteressant, was man nicht alles so beim Abstrampeln erfährt. Die Welt ist halt doch ein Dorf 🙂

Nach der ersten Ausfahrt habe ich einen Fehler gemacht: ich bin nach dem Duschen gleich ins Bett und habe 2 Stunden geschlafen. Dehydriert und unterzuckert wieder aufzuwachen ist nicht ganz so lustig. Das sollte in den folgenden Tagen nicht mehr passieren. Schliesslich gab es nach jeder Radausfahrt eine leckere Snackline. Da konnte man sich innerhalb des ‚Open Windows‘ seine Speicher auffüllen, bevor man auf’s Zimmer ging. Und das Essen war soooooo lecker. Unglaublich! Die Auswahl im Aldiana ist unbeschreiblich gross, das Essen vorzüglich und alles frisch. Mein Gourmetherz schlug höher… Selbst am Nachtisch kam ich nicht vorbei. Petit Fours hier, Oreo Mousse da, ein Silberlöffel mit Erdbeercreme & Pistazienhaube…. Yummy!

Nach dem Essen traf man sich immer ungezwungen an der Poolbar. Alkohol trank zwar kaum einer, aber man kam ja auch ohne prima mit den Leuten ins Gespräch. Sie waren wirklich ausnahmslos alle sehr nett und man fühlte sich sofort wie zu Hause.

Wer zu spät ins Bett kam, der kam am nächsten Morgen entweder nur mit einem Auge zum Workout mit der Black Roll oder verschlief #räusper… Denn das Workout fing schon um 7.30 Uhr (nach MEZ 6.30 Uhr) an.

Die Black Roll ist der Hammer! Ich konnte mir nicht wirklich ein Wunder in Form dieser Rolle aus expandiertem Polypropylen (EPP) vorstellen, musste es aber unbedingt ausprobieren! Zu sanften Klängen wird durch eine Selbstmassage der Muskulatur eine myofasziale Selbstentspannung ausgelöst. Das sieht in etwa so aus: man rollt seine verhärteten Muskeln (bei uns: Waden und Schenkel) über die Rolle in bestimmter Abfolge ab, das einen so genannten Wohlfühlschmerz auslöst. D.h. erst tut es ein bisschen weh, die Gruppe bildet in etwa eine Geräuschkulisse eines Rentnerclubs bei Kniebeugen und dann sind die Muskeln auf einmal butterweich. Spuk vorbei! Man kommt als Oma, rollt sich 30 Minuten ab und geht als Jungspund wieder da raus. Das ist doch definitiv ein Wunder, oder? 🙂

Danach ging es zum Frühstück. Club Aldiana at its best! Ein Bekannter sagte mir schon vorher, wie gut das Essen sei. Aber soooo gut? Über selbst gebackenes Brot, Müslibar und frischem Obst wird alles angeboten, was das Herz begehrt. Sogar laktosefreie Milch haben sie! Und nicht zu verachten: der Kaffee schmeckt! 🙂

An jeden Tagen wurden geführte Radausfahrten angeboten, von der man meistens zur Mittags- oder Snackline Zeit zurück kam. Verhungert ist man also nicht 😉

Auch wenn mein Fokus in diesem Triathloncamp verstärkt auf Rad lag, nahm ich an einem späten Nachmittag auch am Schwimmtechniktraining teil. Dafür sind wir mit einem Bus nach Larnaca gefahren, wo sich das beheizte 50m-Becken befand. Das war für mich jetzt nichts neues, da ich die Technikübungen schon vom Verein her kenne, aber die Schwimmtrainerin war wirklich super!

Es wurde auch Neoschwimmen im Meer angeboten. Unter allen Ausstellern war auch Zoots mit von Partie, bei denen man Neoprenanzüge zum Testen ausleihen konnte. Gesagt, getan. Eines Nachmittags probierten wir das aus. Das Meer hatte ca. 14 Grad und unter Leitung der Schwimmtrainerin stiegen wir mit den Neo’s ins Meer. Damit muss man sich erst einmal anfreunden: da läuft erst einmal das Wasser in den Neo und durch den Auftrieb liegt man wie ein Brett auf dem Wasser. Also Salzwasser habe ich literweise gesoffen 😉

Hinter den Wellenbrechern aus Felsen war das Meer gut in Bewegung. Es erforderte Kraft, nicht auf die Felsen getrieben zu werden. Aber im allgemeinen war meine erste Erfahrung im Neo für mich beeindruckend und ich hatte solch einen Spass, dass ich es schon fast schade fand, mit den letzten Schwimmern aus dem Wasser zu gehen. Am nächsten Tag hatte ich nach dem Koppeltraining Rad-Laufen noch einmal die Chance, mit dem Neo ins Meer zu gehen. Der Wellengang war an diesem Tag rauher und die Schwimmtrainerin musste die Gruppe nach schwächeren und sicheren Schwimmern einteilen. Ich darf hier doch mal voller Stolz erwähnen, dass ich von einer Expertin als sicherer Schwimmer eingestuft wurde! Ha! 😉

Aber so easy peasy wie am Vortag war es nicht ganz. Die Wellen wirbelten den Schlamm auf, an klare Sicht unter Wasser war nicht zu denken. Man musste die Wellen als Vortrieb nutzen, drunter hertauchen, ein Gefühl für die Wellen bekommen und dabei noch genügend Abstand zu den Felsen lassen. Ich zolle tiefen Respekt vor den Wettkampfteilnehmern auf Kona oder generell im Pazifischen Ozean, wogegen unsere Wellen ein richtiger Furz sind. Ich habe mich an den Felsen orientieren und viel mehr Kraft aufwenden müssen und mehr Salzwasser geschluckt als am Vortag. Mein lieber Scholli, das darf man nicht unterschätzen!

Ausserdem muss man seine Kraft gut einteilen können. Ich habe noch am selben Vormittag ein Koppeltraining gehabt und merkte, wie mir langsam beim Kraulzug die Kraft ausging.

Beim Koppeltraining wurden 4 Runden á la ca. 17 km Rad und ca. 2,5 km Laufen angesetzt. Das hört sich erst einmal nicht viel an, aber auch da muss man lernen, seine Kräfte zu verteilen. Das Laufen fiel mir irre schwer, obwohl das bisher meine Lieblingsdisziplin war. Soll das bald anders sein…? Jedenfalls erholte ich mich immer ein bisschen auf dem Rad um auf der Laufstrecke, die am Meer entlang führte, fluchend voran zu kommen.

Ich hatte zur Unterstützung meine pinkfarbenen CEP-Kompressionssocken an und gab damit eine richtige Clownskombination ab: blaues Vereinstrikot, schwarze Radhose, pink-graue Laufschuhe und geblümten Armlinge, yay! No photos, please! Ich dachte in erster Linie nur praktisch. In Zukunft werde ich an ästhetischeren Lösungen tüfteln, weil überall Kameras sind. Jedenfalls schaffte ich 3 Runden. Von allen Teilnehmern schaffte nur ein junger Kadertriathlet die 4. Runde. So schlecht lag ich ja dann nicht 🙂 Ich war nur ziemlich k.o. und ging nach der Dusche direkt ins Bett. Dabei behielt ich auf Empfehlung des jungen Kollegens die Kompressionsstrümpfe unter der Dusche und danach beim Schlafen an. Es mag ungewöhnlich sein, nasse Strümpfe anzubehalten, aber es tat meinen Beinen unglaublich gut!

Aus diesem Grund ging ich beim Neoschwimmen früher ans Land. Übertreiben muss man es ja nicht. Trotzdem mit gaaaaanz viel Stolz und Freude im Herzen. Weil es so ganz MEINS ist. Ich mag es! Nein, ich liebe es und es juckt mich, den Wettkämpfen endlich näher zu kommen! 🙂

Es ist wie eine Droge, jeden Tag etwas zu machen, müde, aber glücklich zurück zu kommen und vor sich hinzulächeln. Small talk mit den anderen zu betreiben, ihre Erfahrungen anzuhören, zu scherzen, zu essen, duschen zu gehen, sich auszuruhen, weiter zu machen, besser zu werden. Neue Themen aufzusaugen bei all den Vorträgen. Zu hoffen, dass man in allem besser wird, bestenfalls motivierter und es noch mehr liebt. Das alles stellt sich ein. Es ist wie eine zweite Welt, die mit dem reinen Alltag so rein gar nichts zu tun hat und man möchte es so gerne beliebig lange tun.

Ich bedauerte es richtig, nach einer Woche zurück fliegen zu müssen. Dabei kann ich so dankbar sein, dass meine Gesundheit noch rechtzeitig mitgemacht hat. Ich musste zwar sehr niedrig wieder einsteigen, konnte auch keine Berge versetzen, aber ich habe soooo viel mitgenommen und trage seitdem die Sonne im Herzen! Weil es ganz MEINS ist. Jetzt bin ich mir sicherer als je zuvor, das Richtige zu tun. So fühlt sich GLÜCK für mich an. I love it!

Fahhrad Zypern

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