Wieviel Veränderung bringt ein Kind mit sich?

Gerade erst letzte Woche hatte ich mit zwei Arbeitskolleginnen ein Gespräch darüber, wieviel Veränderung ein Kind mit sich bringt. Meine Kollegin meinte, ihr ganzes Leben habe sich seitdem verändert, der ganze Rhythmus und erörterte dies ausführlich, aber ohne Bedauern, weil sie ihren Jungen voll und ganz liebt und sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen kann.

Trotzdem war ich überrascht, weil ich diese Veränderung bei uns nicht so dominant wahr nehme. Und ganz ehrlich: ich bin froh drum. Ich liebte mein Leben vor dem Kind, alles war so gut wie es war. Ich hatte meinen Vollzeitjob, zeitintensives Triathlon Training, am Wochenenden haben wir viel mit Freunden gemacht oder sind essen gegangen. Und ich hatte meinen Mann nur für mich. Heute gibt es meinen Teilzeitjob (Elternzeit), nebenher eine Yogalehrerausbildung, die sporadisch zeitintensiv ist, und an Wochenenden machen wir immer noch was mit Freunden oder gehen essen, nur halt nicht mehr so oft und dann mit der Maus. Und ich muss meinen Mann teilen, womit ich aber auch kein Problem habe. Also, warum nehme ich diese kleinen Veränderungen nicht so stark wahr wie andere?

Alles ist ein Prozess. Vertraue dir selbst und deiner Intuition.

Ja, ich hatte Angst, dass sich vieles verändert. Ich hatte das bei anderen Müttern gesehen und manch eine Mutti (ungeduscht, mit Augenringen, leicht überfordert und gequältem Gesichtsausdruck) sagte mir immer wieder, als solle es wie eine Drohung klingen: „Es wird sich ALLES verändern! Man kommt nicht mal mehr zum Duschen!“ Ich habe aber auch gesehen, dass die Messlatte, eine perfekte Mutter sein zu wollen, bei manch Mutter sehr hoch lag und sie selbst daran täglich scheiterten. Es hat mir Unbehagen bereitet und ich habe diese Art von Frauen angefangen zu meiden.

Ich glaube, es gibt generell Menschen, die einfach schneller überfordert sind als andere und lassen es auch noch jeden gerne wissen. Was ich persönlich sehr schade finde, weil sie auch Unsicherheiten bei schwangeren Frauen oder die, die es werden wollen, hinterlassen. Warum? Frauen sollten sich viel mehr untereinander unterstützen und sich mehr Positives und Mut zusprechen!

Die wichtigsten Tipps kamen von zwei guten Freundinnen. Eine von ihnen, Mutter von zwei energiegeladenen Kindern, sagte mir:

„Du wirst die Mutter, die du sein willst! Und es verändert sich nur so viel, wie du es zulässt“.

Und die andere, keine Kinder, sagte mir: „Wenn eine Frau Kinder hat, erkennst du ihren wahren Charakter!“ Und dann las ich per Zufall einen Blog Post zu dem Thema, in dem die Bloggerin als frische Mama beschrieb, wie sie ihre Prioritäten setzt und das alles geht, wenn man nur will. Und dann fing ich an, meine Schwangerschaft zu genießen.

Ich hatte eine sehr relaxte Schwangerschaft, weil ich weder was las noch anderen Gehör schenkte. Es war meine Schwangerschaft und ich liess es nicht zu, dass sich jemand da einmischte. Ich wusste nicht einmal genau, in welcher Schwangerschaftswoche ich mich befand, dafür hatte mein Mann eine App 😉 Ich lächelte alle gut gemeinten Ratschläge weg oder sagte bewußt, dass ich meine eigene Meinung zu bestimmten Themen habe. Irgendwann hatte ich echt eine richtig wohltuende Scheißegaleinstellung, die mich mit Dickbauch fröhlich durch meine Welt spazieren ließ. Und ich machte alles, worauf ich Lust und Laune hatte. So war ich noch im 7. Monat auf einer Fortbildung in München, im 8. Monat mit meinem Mann im Urlaub auf den Kanaren, im 9. Monat besuchte ich eine Freundin in Belgien, machte bis zur letzten Woche Schwangerschaftsyoga, ging noch am errechneten Entbindungstermin zu meiner Kosmetikerin, damit ich im Krankenhaus schöne Wimpern und Füße hatte und war einen Tag vor der tatsächlichen Entbindung im Baggersee schwimmen.

Kinder werden von Eltern gemacht.

Was ich für mich wieder neu erlernte, war die intuitive Wahrnehmung. Da merkte ich, dass ich doch nicht so ganz rational bin! 😉 Ich legte mein vollstes Vertrauen in mein Bauchgefühl und mir ging es wirklich blendend damit. Egal, was ist, vertraue deinem Instinkt! Eine Mama macht intuitiv alles richtig! Egal, was andere sagen oder tun. (Ich setze hier aber einen gesunden Menschenverstand voraus!)

Ich mag meine neue Rolle als Mama. Für mich war zwar auch vieles neu, aber man wächst überall rein. Ich bin eine entspannte Mama mit einem entspannten Papa und einem entspannten Kind. Wir müssen zugeben, wir haben das unkomplizierteste Kind, das wir kennen. Auch die meisten unserer Bekannten sagen, sie haben noch nie so ein entspanntes Kind gesehen, das so fröhlich und offen auf Menschen zu geht. Sie machte uns es von Anfang an verdammt einfach, sie in unser Leben zu lassen. Und sie fügt sich wunderbar in unser Leben ein. Man darf auch nicht vergessen: Kinder werden von Eltern gemacht!

Kinder brauchen kein Tohuwabohu, um glücklich zu sein. Sie sind es da, wo die Eltern sind. Sie sind es da, wo man sich Zeit nimmt für Knuddeleinheiten, Vorlesen, Mittanzen und Mitspielen, Grimassen schneiden und laut singen. Sie sind es da, wo ihnen ganz viel Liebe und Raum gegeben wird. Wir haben selbst keine Ängste, die wir auf das Kind transportieren, sondern geben unserer Maus immer viel Raum, Neues zu erlernen. Wenn Kinder sich selbst etwas zutrauen, warum unterstützt man sie nicht einfach darin? Warum etwas verbieten, wenn man auch zeigen kann, wie es richtig geht?

„Raum geben für alles, was möglich ist!“

So können wir sie überall mitnehmen und sie fühlt sich überall wohl und ist entspannt. Neue Umgebungen machen ihr keine Angst, weil sie großes Vertrauen in uns hat. Wir gehen mit ihr ins Schwimmbad, Shoppen, in den Zoo, machen Wochenendtrips mit Hotelübernachtungen, gehen zu Freunden nach Hause, in Restaurants und überall schaut sie sich alles erst einmal an und geht entspannt und neugierig auf Entdeckungsreise. So war auch unsere Reise nach Bali und auf die Insel Nusa Lembongan mit ihr einfach nur eine Erweiterung dessen, was alles möglich ist mit Kind.

Wir denken auch gar nicht viel darüber nach, wir machen einfach.

Ja, es mag sich vielleicht einiges verändert haben, aber ich empfinde diese Veränderungen nicht als so prägnant. Es ist noch ein Menschlein in unser Nest eingezogen, das Bedürfnisse hat, auf die man doch gerne eingeht. Dafür kriegt man sehr viel zurück. Ich nenne jetzt mal zwei Beispiele:

Ich komme nach einem 12-13 Stunden Tag (Arbeiten & Pendelzeit) müde nach Hause, stelle meine Tasche und Notebook ab und dann rennt ein kleines Bündel freudestrahlend auf mich zu und schmeißt sich lachend in meine Arme. Das hat mein Mann by the way noch nie gemacht! 😀 Dann fängt sie zu erzählen an, was man nicht verstehen kann, weil es nur Gebrabbel ist, aber ich versuche es ernst zu nehmen, auch wenn ich schallend lachen könnte. Ich nicke und kommentiere und da strahlt sie mich an und fängt an zu singen und tanzen. Während mein Mann schon das Abendessen kocht, mir herüber zwinkert und sagt, er hat keine solche Gesangseinlage bekommen, setze ich mich im Schneidersitz mitten in den Flur und schaue meinem tanzenden und singenden, glückliches kleines Mädchen zu und mein Herz quillt über vor Liebe. Das mag sich echt süffig anhören, aber genauso ist es. Es durchströmt einem mit Liebe und Frieden und macht deine Scheißheimfahrt von 2,5 Stunden auf der Autobahn im Nu wieder wett. Und egal, wie müde man vor der Haustür war, es ist wie weggewischt und man rockt noch ein bisschen zusammen mit der Maus ab. Fazit: Kinder laden deine leeren Batterien wieder auf!

Das andere Beispiel bezieht sich auf das Thema Ausschlafen. Ich möchte keine Debatte über Schlafpraxen lostreten, aber unsere Maus schläft in ihrem eigenen Bettchen bei uns im Schlafzimmer. Für uns funktioniert das prächtig, sie schläft sehr schnell ein und bis ca. 8 Uhr morgens durch. Natürlich schlafen wir normal an Wochenenden bis ca. 9 Uhr und das geht dann nicht mehr, aber ein Wochenende besteht immer aus 2 Tagen und wir handhaben es stillschweigend so, dass der fittere Part mit der Kleinen schon runter geht und der andere liegen bleibt. Funktioniert. Das Süße dabei muss ich jetzt aber verraten: die Kleine wird wach und wenn ihre Trinkflasche leer ist, schmeißt sie sie mit einem hohen Bogen zu uns aufs Bett (keine Ahnung, woher sie sowas hat 🙂 ). Wenn das nichts hilft, stellt sie sich in ihr Gitterbett auf, versucht, mich durch die Stäbe anzutatschen und ruft: „Halloooooooo…!??“ Es ist die Art und Weise, wie sie es macht, denn wir stehen dann lachend auf. Sowas kann kein Wecker der Welt bieten. Und wer lachend aufsteht, bei dem kann der Tag nicht mehr schief laufen, isn’t it? 😉

Das sind Momente, die dein Leben wirklich bereichern.

Ich finde daher nicht, dass sich so vieles bei uns verändert hat. Wir sind als Menschen noch die geblieben, die wir vorher waren, sind jeden Tag geduscht (hahaha) und gepflegt (bis hin zu frisch manikürten Nägeln), nehmen uns immer noch als Paar wahr, was uns auch sehr wichtig ist und nehmen unsere Kleine als Bereicherung wahr. Und was heißt da schon Veränderung? Alles ist ja immer ein Prozess, alles sortiert sich immer wieder neu, wenn man sein Leben und die Phasen dazwischen reflektiert.

Für eine Welt mit mehr Pippis!

Ich bin nicht zu einer Vollblutmami geworden, weil ich das einfach nicht wollte. Das ist nicht meine Rolle, aber es heißt ja nicht, dass ich meine Kleine weniger liebe noch dass es ihr damit schlechter geht. Ganz im Gegenteil. Ich kenne Mütter, die sich mit ihren neuen Rollen nicht wohl fühlen und überfordert sind. Die man aber auch nicht mehr wieder erkennt, weil sie sich so rapide geändert haben. Dabei muss man das nicht. Die Kinder verlangen das noch nicht einmal. Vielleicht mag das egoistisch klingen, aber mir war mein Wohl an erster Stelle. Im Buddhismus wird es auch so erklärt:

„Erst wenn es dir gut geht, kannst du anderen nützlich sein.“

Mein Mann ist mir genauso wichtig wie mein Kind. Liebe kann man eh nicht miteinander aufwiegen, aber mir liegt eine gleichberechtigte Beziehung stark am Herzen, weil ich ihn sehr liebe und respektiere. Warum soll er keine Rolle mehr spielen, nur weil die Kleine da ist? Auch das kann man bei einigen Müttern beobachten und das ist schade. Denn keiner kann einem so gut unter die Arme greifen wie der eigene Mann. Keiner kann so mega doll Quatsch mit der Maus machen wie der eigene Mann. „High Five“, Zunge raus strecken, brüllen wie ein Löwe, alleine die Rutsche runter rutschen, überall hoch klettern… – dafür sind die Papas da! Sie bringen den Prinzessinnen bei, Pippi Langstrumpf zu sein. Mut, Frechheit und Humor sind wichtig für Kinder. Ich plädiere für eine Welt mit mehr Pippis unter all den Prinzessinnen!

„Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss, wie andere Menschen.“ (Astrid Lindgren)

Veränderungen hin oder her, das muss jeder für sich selbst wissen. Für uns ist alles gut so wie es ist und dafür bin ich sehr dankbar!

In diesem Sinne: lasset den Frühling beginnen und die Pippis springen!

 

 

3 comments on “Für eine Welt mit mehr Pippis…”

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