Warum Baby-Tamtam nichts für mich ist und was mir sehr am Herzen liegt

Wenn man schwanger ist, kommt eine Riesenbabyblase auf einem zu, vor die ich mich ein wenig gefürchtet habe, aber weitaus weniger schlimm ist als gedacht. Es kommt doch auf einem selbst an, inwieweit man sich verrückt machen oder sich reinreden lässt. Ich bin tatsächlich jemand, der dem ganzen Scheiss an Statistiken, Buchempfehlungen und Ratschlägen kein Gehör schenkt und auch bewusst sage, dass mich das nicht interessiert. Auch während meiner Schwangerschaft habe ich mich aus einschlägigen Foren fern gehalten und nur auf mich und meinem Körper gehört. Und da kommen eh schon einige Veränderungen auf einem zu, da will man sich doch nicht von anderen zusätzlich belämmern lassen, oder? Also!

Früher wurde bei unserer Generation nicht so ein Geschiss gemacht wie heute. Heute werden die Kleinsten schon vor Geburt auf einen Thron gesetzt, der unfassbar ist. Schimpfen und Schreien lassen könne Kinder traumatisieren, ein Baby sei ein Wunder, und es wird gekauft, gemacht und getan. Ich sehe das anders – Babys sind die anpassungsfähigsten Lebewesen, die es gibt. Das einzige, was sie brauchen, ist Nähe, Zuwendung und Essen. Mehr Bedürfnisse haben sie zumindest am Anfang nicht. So hat es mir meine Schwiegermutter, eine Kinderpsychologin mit eigener Praxis, gesagt und ich stimme ihr da aus vollstem Herzen zu. Weniger ist da mehr.

Angeblich wären Eltern, die ihr erstes Kind erwarten, die besten Marketingopfer, weil sie nur das beste wollen. Bei mir ist dieses ‚Kauf-alles-was-man-dir-sagt-Hormon‘ irgendwie ausgeblieben. Das heisst im Umkehrschluss, man geht mit leeren Händen aus dem Babymarkt raus, auch wenn die Verkäuferinnen einem das Ohr abkauen. Aber darin liegt ja das Problem, es kommt eine Megawelle auf einem zu, die einem sagen wollen, was man alles braucht. Für mich bedeutet aber im pragmatischen Sinn: ein Baby muss in Ruhe schlafen können, braucht einen Platz zum Wickeln und saubere Windeln und mehr nicht. Ergo wird auch nicht mehr gekauft. Und mein Mann konnte seine bereits akribisch angelegte Amazon Wunschliste erst mal auf Eis legen.

So ging es mir auch mit Klamotten so. Ja mei, da gibt es wirklich süsse Kleidchen, Strampler und Co., aber bei den Preisen und die Tatsache, dass ein Baby am Anfang enorm schnell wächst, hat mich sehr lange davon fern gehalten, überhaupt etwas zu kaufen. Bis ich mir dachte, naja, so ganz ohne Klamotten kann ich den Wurm auch nicht lassen, auch wenn es ein Sommermädel wird. Also gingen wir auf Kinderflohmärkte und waren angenehm überrascht, wie günstig man gut erhaltene Babysachen bekommt, die man einfach noch mal 2x durchwäscht. Oder es kommen Freundinnen in letzter Minute auf dich zu, ob man noch was von ihren Kindern brauchen kann. Natürlich ist man nicht 100%ig davor gefeit, gar nichts Neues zu kaufen. Aber für 3 kleine Teile 60,- € hinzulegen und es passt dann vielleicht mal nur 2-3 Wochen, das muss dann schon etwas sehr besonderes sein! 😉

Was mir weitaus wichtiger ist: helfen!

Was mir dann aber wirklich sehr am Herzen liegt und darüber möchte ich heute erzählen, ist die Nabelschnurblutspende. Vielleicht halfen mir meine rationalen Eindrücke auch, mich sofort dafür zu entscheiden. Vielleicht auch, weil wir beide als Spender für Stammzellen registriert sind. Ich schon länger als 10 Jahre.

Mir fiel im Wartezimmer meiner Frauenärztin ein Flyer von Eticur in die Hände. Zu Hause fing ich an, mich ein wenig darüber zu informieren und war gleich Feuer und Flamme! Was für eine gute Sache!

Bei einer Nabelschnurblutspende wird das in der Nabelschnur befindliche Restblut für Stammzellen gewonnen und kann so nicht nur an Leukämie erkrankten Menschen helfen. Das Nabelschnurblut eignet sich wohl hervorragend für die Gewinnung von Stammzellen, was sonst nur vom Rückenmark entnommen werden kann.

Einzig allein, was bei der Geburt beachtet werden muss, ist, dass das Baby sofort abgenabelt werden muss. Momentan liegt es wohl im Trend, die Nabelschnur erst dann abzutrennen, wenn sie auspulsiert ist. Die meisten Hebammen befürworten das. Aber als ich mit zwei Ärztinnen darüber sprach, die bestätigten, dass es keinen Unterschied mache, stand für mich die Entscheidung fest. Bei einem Kaiserschnitt nabelt man auch sofort ab und es kommt nicht zu einer Beeinträchtigung des Babys. Wer etwas anderes behauptet, tanzt auch sonst seinen Namen zu jeder Musik.

Spätestens 4-5 Wochen vor dem errechneten Termin sollte man sich bei Eticur registrieren. Voraussetzung ist allerdings, dass die Klinik, bei der man entbinden möchte, Kooperationspartner ist. Sie sind auf eine Entnahme geschult und senden das Paket unter strengen Massnahmen an die Uniklinik in Erlangen.

In Karlsruhe und Speyer sind die Kliniken, die für uns in Frage kamen, alle registriert. Bei der Registrierung auf der Eticur-Webseite klickt man sich wirklich durch unzählige Online-Fragen durch, damit sie sich ein genaues Bild über deinen Gesundheitszustand machen können. Ein paar Tage später ruft ein netter Arzt aus der Uniklinik Erlangen an, um dich darüber zu informieren, ob man als Spenderin in Frage kommt oder nicht und klärt noch ein paar kleinere Fragen. Dann schickt man eine Einverständniserklärung und ein paar Tage später ruft eine freundliche Mitarbeiterin von Eticur an, um einen Liefertermin des Entnahmepakets auszumachen.

Dieses Entnahmepaket kommt per UPS zu einem nach Hause und man nimmt es dann mit ins Krankenhaus, die sich darum kümmern. Einziges Manko ist, dass in dem Paket ein Messgerät enthalten ist, das bei 18-26 Grad Celsius gelagert werden muss. Bei uns herrschen gerade hochsommerliche Temperaturen, auch wenn wir die Klimaanlage angeworfen haben. Sicherheitshalber haben wir das Paket im kühleren Keller gelagert.

Ich bin von der Möglichkeit, so easy Menschen helfen zu können, ziemlich begeistert und ich wünschte, es wäre bei Geburten Standard! Leider weiss man viel zu wenig davon und ich bin sehr dankbar, dass mir der Flyer noch rechtzeitig in die Hände gefallen ist! Ich gehe immer selbst von mir aus, wie happy ich über einen geeigneten Spender wäre. Die Welt ist voll mit verzweifelten Suchen nach Spendern und solche Suchaktionen machen mich immer ganz betroffen, weil es jeden von uns treffen kann!

Es bieten übrigens noch viel mehr Agenturen wie Eticur Nabelschnurblutspenden an, aber bei uns im südbadischen Raum gibt es wohl hauptsächlich Kooperationen mit Eticur. Das ist ja nichts anderes wie bei der normalen Stammzellenregistrierung, wo DKMS deutschlandweit zwar die bekannteste („Stäbchen rein, Spender sein“), aber nicht die einzige ist.

Es gibt auch die Möglichkeit, das Nabelschnurblut für sein Kind gegen eine Gebühr einlagern zu lassen, aber das kam für uns nicht in Frage, zumal sich Experten noch nicht einmal darüber einig sind, ob das sinnvoll ist.

Also, solltet ihr auch auf dem Weg sein, ein Kind zu bekommen: traut euch, Nabelschnurblut zu spenden! Es ist nur ein winziger Schritt und bedeutet ein bisschen Formalitäten für euch, aber kann irgendwo da draussen ein Leben retten!

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