Als ich letztes Jahr im September noch mit einer Mädel-Staffel an einem Triathlon in unserer Nähe teil nahm, wusste ich noch nicht, dass es vorerst die letzte richtige sportliche Betätigung für mich sein sollte. Ich legte einen guten Lauf hin (trotz dass ich viel zu schnell gestartet bin) und wir hatten uns im guten ersten Drittel platziert. Stolz tranken wir noch zusammen unser Finisher-Bierchen und gingen in die Trainingspause, auch Off-Season genannt. Kurz darauf flog ich mit meinem Lieblingsmenschen erneut nach Bali um mit ganz lieben Tauchfreunden aus Berlin in einem feinen, kleinen Resort im Norden eine tolle Zeit zu verbringen.

Zählt Tauchen auch als Sport? 😉

Tauchen war dieses Mal ein wenig anspruchsvoller als im Vorjahr, da das Meer durch den Vulkanausbruch auf Java rauher war. D.h. es gab an einigen Stellen starke Strömungen, die Sicht war schlechter und die Brandung bei Landeinstieg teilweise so fies, dass es uns die Beine wegriss und uns mit voller Montour und schwerer Ausrüstung hinstreckte. Mein Knie prallte dabei gleich 2x heftig gegen einen kleinen Felsen und ich dachte, ich käme nie aus dem Wasser. Jedes Mal, wenn du mit dem schweren Gepäck aus der Hocke aufzustehen versuchtest, schob die Woge dich auf’s Kiesbett oder riss dich zurück ins Meer.

Zwischen dennoch schönen Tauchgängen, interessanten Gesprächen mit unseren Tauchfreunden, leckerem Essen und lustigen Cocktailabenden kamen auch Ausflüge nicht zu kurz. Und obwohl wir den Vulkan Batur noch mal besteigen wollten, bevorzugten wir lieber einen kürzeren Trip zu einem Wasserfall, unter dem man baden konnte. Ich will damit nur sagen, dass wir im Urlaub nicht gänzlich faul waren.

Denn ich liebe Action! Mehr als meinem Lieblingsmenschen manchmal lieb ist, weil er eher zur Gattung gehört, die es lieber bequemer mögen. Manchmal erhebt er Protest, was mir dann aber auch wieder gut tut. Ich gönne mir eigentlich viel zu wenig Ruhe, ausser ich genehmige mir eine balinesische Massage oder mache Yoga.

Triathlon is everywhere!

Wir hatten auch mehrere Tage in Ubud gebucht, weil Ubud eine wundervolle, mystische kleine Stadt ist. Es ist turbulent, staubig, unglaublich spirituell und es ist ein kleiner Kulturschock, wenn du von einem ruhigen Resort aus dem Norden kommst, wo du nur das Meer rauschen oder die Vögel zwitschern hörst. Aber ich liiiiiieeeebe Ubud! In dieser Yoga Mekka wollte ich mir auch ein paar Yogastunden gönnen und habe mich vorab zu Hause informiert.

Doch leider hat es mich mit dem berühmten ‚Bali Belly‘ erwischt und ich dachte, ich müsste kurz mal sterben. Wir essen auch mal ganz gerne von der Strasse oder hatten Wildaffen im Affenwald auf der Schulter und da ist man doch nicht ganz gefeit vor bösen Bakterien, die uns Westler nicht gut bekommen. Yoga war dann leider nichts, auch wenn ich mir das bekannte Yoga Barn nahe des Affenwaldes von innen anschauen durfte. Dafür stürzte ich mich am zweiten Tag rein in den Trubel: Märkte, spirituelle Läden von Auswanderern, Tempel, den Lotusgarten, tranken viel Eistee mit Schwarzee und Ingwer (sehr erfrischend und gut tuhend) und liefen auf der Strasse einer Vereinskollegin mit ihrem Freund in die Arme! Small world! Oder: Triathlon is everywhere! 😉

Irgend etwas war anders… Uuups!

Zurück in der Heimat war ich schon wieder mitten im Alltag und gleich auf einem Seminar in München. Irgendwie war ich wohl nicht ganz wieder auf dem Damm, denn übel war mir immer noch. Ich startete nach 4-5 Wochen Pause erste Laufversuche auf meinem Terrain und hatte ganz schön zu kämpfen. Was war mit mir los? Denn selbst bei unserem Stopover in Bangkok sind wir wahnsinnig viel gelaufen, um sämtliche Attraktionen zu sehen. Trotz Übelkeit, flauem Magen und der hohen Luftfeuchtigkeit.

Und dann fiel es mir wie Schuppen vor den Augen: da mein Lieblingsmensch sich schon länger Kinder wünschte, einigten wir uns im Urlaub darauf, „es“ ankommen zu lassen. Nun, das ging ja dann wohl schneller als geplant. Ich war schwanger! Uuuups!

Erste Überraschung wich einer Freude, aber gleichzeitig auch den Bedenken, was sich alles ändern wird. Ich fand eigentlich alles schön so, wie es war und hatte nichts vermisst. Aber offensichtlich hat uns da jemand ausgesucht…

Normal sagt man ja immer, Schwangerschaft sei keine Krankheit, aber die ersten drei bis vier Monate war mir durchwegs übel. An sich ein gutes Zeichen, da alles stabil läuft, aber für einem selbst ist es dann schon eine grosse Herausforderung, überhaupt aufzustehen, Zähne zu putzen oder morgens im Zug voll mit Menschen zu fahren, wo der eine oder andere nicht immer gut riecht und die Nase auf einmal alles olfaktorisch noch besser aufnehmen kann. Mamma mia! Ich pendelte trotzdem meinen Arbeitsweg von 3 Stunden am Tag und setzte mich dann bei Gerüchen einfach um oder schnüffelte am Tigerbalm, den ich aus Bangkok mitbrachte. Manchmal, wenn eine Frau ein extremes Parfüm trug, rieb ich mir den Tigerbalm auch fett unter die Nase. Who cares!? Man entwickelt echte Überlebensstrategien…

Am schlimmsten traf es mich aber, dass ich keinen Sport mehr machen konnte. Einen weiteren Versuch, laufen zu gehen, startete ich noch, aber diese plötzliche Kurzatmigkeit machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich hatte sogar auf einmal Probleme mit Treppen steigen und schnaufte wie ein Walross, wenn ich mal ankam. Und mein Rennrad vereinsamte im Wohnzimmer auf der Rolle und weinte leise. Wehmütig strich ich hin und wieder den Staub vom Sattel. Schwimmen hätte ich gehen können, ja. Aber wann? Zur Übelkeit gesellte sich noch bleiernde Müdigkeit und wenn man als Pendler nicht ohnehin schon im Zug einschläft, so fiel ich kurz nach Ankunft zu Hause schier ins Koma. Als ich mein DB Abo dann kündigen musste, und ich die letzten Wochen mit dem Auto pendelte, verbrachte ich sogar 5 Stunden am Tag auf der Autobahn. Zusätzlich zu 8 Stunden Arbeitszeit. Ich denke, es bedarft keiner grossen Erklärung, wie erschlagen man dann nach Hause kommt.

Also machte ich nichts an Sport. Nada. Gar nichts. Selbst der Weg ins Fitnessstudio gelang mir nicht. Ich legte meinen Vertrag auf Eis und meldete mich stattdessen bei Yoga Vidya zum Schwangerschaftsyoga an. Hauptsache ein bisschen was, dachte ich mir.

Mein Herz blutet tatsächlich ein wenig, wenn ich aktive Menschen auf der Strasse oder in Facebook sehe. Es ist, als wäre ich auf die Couch verbannt und verdammt worden und es ist schon eine schwere Strafe für jemanden, der die Couch nur vom TV gucken kennt. Mein Ausgleich fehlte, die Balance in meinem Kopf, das Glücksgefühl nach jeder schweisstreibenden Einheit. Alles weg. Stattdessen machte sich Unzufriedenheit breit, aber ändern konnte ich es nicht. „Geniesse deine Schwangerschaft!“ klang eher wie Hohn für mich. Während mein Mann im Urlaub auf Gran Canaria in April sogar ein paar Tauchgänge zu ein paar Wracks gemacht hat (Ooooh! Ich liebe Wracktauchgänge!), konnte ich eigentlich nur meine Kugel in die Sonne halten und lesen. Ich fand das ziemlich dicke unfair.

Ein wenig tröstend ist, dass man mir die Schwangerschaft kaum ansieht. Die meisten sind überrascht, wenn der Blick auf meine Kugel fällt. „Du hast dich ja gar nicht verändert“, kann man so und so sehen. Ich nehme es als Kompliment, denn tatsächlich sieht man mir ausser Bauch nichts an. Gesicht, Arme, Po und Beine sind geradezu schlank geblieben. Ich bin sehr, sehr dankbar für diese Gene! Und ausser 2 Schwangerschaftsjeans brauchte ich mir auch keine hässlichen und völlig überteuerten Umstandssachen kaufen. Am Anfang trug ich Blusen mit einer langen Strickjacke drüber und als die Kugel nicht mehr versteckbar war und eine schöne Form annahm, probierte ich einfach, welche Shirts aus meinem Bestand dehnbar waren und trug diese unter den Strickjacken. Für Umstandssachen war mir das Geld einfach zu schade. Eher kaufte ich sogar für den Urlaub normale Etuikleider (1 Nummer grösser) oder trug auch mal Shorts von meinem Mann und klappte den Bund einfach um. Ich hielt mich nie besonders für pragmatisch, aber in der Schwangerschaft kam diese Eigenschaft extrem bei mir zum Vorschein.

Auch so kann ich mich nicht beschweren: ich habe keine Beschwerden, alles ist komplikationsfrei und gesund. Klar könnte man den Mutterschutz damit verwenden, endlich mehr Sport zu treiben, aber wir hatten die letzten Wochen alle Hände zu tun, überhaupt die notwendigsten Vorbereitungen zu treffen, die bis dato liegen geblieben sind. Und auch hier habe ich mich nur auf das wichtigste beschränkt, weil ein Baby ja nicht viel braucht. Ja, ich bin keine werdende Mama, die hormondurchflutet durch die Gegend rennt und alles hochjauchzend kauft, was rosa ist. Ja, es wird ein Mädchen und ja, ich hasse rosa und nein, es macht mir nichts aus, dass ich eine rationale Schwangere bin. Es ist alles gut so wie es ist und schont den Geldbeutel ungemein 😉

Yoga geht immer!

Yoga für Schwangere war anfangs überraschend soft für mich. Man dreht sich nach rechts, fasst sich an den Füssen, dehnt sich, dreht sich nach links und dann: Entspannungsrunde. Oder so ähnlich. Ein bisschen angepisst war ich am Anfang schon, ich wollte Action, die ich so schrecklich vermisste. Vor lauter Entspannungsrunden kam ich wie ein Schlafwandler nach Hause, merkte aber auch, wie gut mir das nach einer Weile tat. Und ganz ehrlich, wenn man 3 Wochen vor dem ET mit der Kugel mehrfach hintereinander den Sonnengruss macht, dann freut man sich richtig auf die doofe Entspannungsrunde. Und ich möchte Yoga für Schwangere auch bitte nicht schlecht reden. Ich habe ein gutes Yogahaus gefunden, wo die Lehrerinnen sehr gut ausgebildet sind und einem wirklich viele wertvolle Tipps auf dem Weg geben. Ausserdem zahlt die Krankenkasse den Kurs als Präventation, falls es jemanden interessiert. Es wird für danach auch Mutter-und-Baby Yoga angeboten und ich denke, das werde ich auch später in Anspruch nehmen um der elendigen Couch zu entkommen.

Und apropos: mein Rennrad darf bleiben. Daneben stehen seine neuen Freunde: ein frisch lackierter Stubenwagen und eine elektrische Wippe. Das Rennrad hat bald keinen Grund mehr zum Weinen und ich freue mich schon wie Bolle auf die erste Einheit! Der Countdown läuft…

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